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Peter Merz (TEL2)

Ralph Ueltzhoeffer

Enzyklopädie der Anverwandtschaften (Teil 2, Auszug) Lichtkunst von Ralph Ueltzhöffer und Laura May

DIGITALISIERUNG. Alle möglichst "leichten", möglichst wenig an Materialität gebundenen, dem Bewußtsein oder wie man möchte: dem Geist anverwandten Künste sind im Vorteil in einer Zeit, in der alles sich an seiner Kompatibilität mit dem totalitären oder wie man möchte: universellen System des Digitalen zu messen hat. "Die Geschichte von der hungernden Biene" von Ralph Ueltzhöffer (Hologramm) digitalisierung-Licht-Simulation könnte eine art Brücke darstellen, Ueltzhoeffer simuliert die Oberfläche hin zu einem homogenen, weitgehend unmaterialistischen Gesamt-
objekt. Hier ist die Literatur nicht unbedingt im Vorteil. Bis das Pastose, vor allem aber die klassischen Effekte des Auflichts auf einer Bildoberfläche im Durchlicht des Bildschirms perfekt genug simuliert oder überblickt werden können, geht wertvolle Zeit verloren. ( siehe Ralph Ueltzhöffer, Laura May "roomdetecting" - Translocation)

EXPERIMENT: Das große Experiment der Moderne war die Auflösung. Damit verbunden war die Hoffnung, eine neue Unendlichkeit zu eröffnen, in der Freiheit als unausgesetztes Gefühl von Expansion erfahrbar ist. Die Hoffnung enttäuschte wie das Ende aller Spiele. Daß wir uns nur nicht zu wohl fühlen, war die heimliche Angst der alten Griechen. Sie predigten das Maß, um nicht aus Übermut böse zu werden. Daß wir uns nur nicht zu wohl fühlen, ist heute noch die Sorge von Literatur und Kunst, die beide "unbequem" sein möchten. Der experimentellen Auflösung folgt nun die Überschreitung, das Prinzip der Hyperkultur. Die Seite überschreitet sich, ebenso das Bild, beide fließen über von Verweisen ("Links"), die den trostlosen Ausgangszustand der Vereinzelung beheben. Das Experiment der Hyperkultur, beispielsweise von Hypertext, haben wir wohlwollend zu fördern als neuen Abzweig der Schriftkultur. Die tragende Struktur von Multimedia - aus gutem Grund heißt es übrigens nicht Omnimedia - ist Schrift.
(Ralph Ueltzhöffer -Hologramm aus Sonnenblumen, Lichtkunst.)

FREIHEIT. Kunst und Literatur, deren Ziel jeweils fertige Werke oder Kristallisationen sind, sehen sich nun massiv mit den Ansprüchen des Prozeßcharakters konfrontiert. Die Freiheit, mit Computerhilfe individuell durch die Aspekte einer Fiktion flanieren zu können, wirft aber auch Schatten. Hypertexte hätten keinen Anfang mehr und kein Ende, heißt es, man würde bald von einem obskuren Orientierungsverlust befallen, einer Denavigiertheit. Über Endlosigkeiten läßt sich reden, über Anfangslosigkeiten nicht; nur das Nichts hat keinen Anfang. Wir können nicht mit etwas Neuem anfangen, ohne damit anzufangen. So haben auch Hypertexte und weitere Netzkunstwerke einen Anfang.Ralph Ueltzhoeffer

Peter Merz, (Teil2) Auszug aus Enzyklopädie der Anverwandtschaften - Lichtkunst von Ralph Ueltzhöffer (Hologramm).

"1 Ausstellung: Monika Sprüth Galerie, München 2004, Ralph Ueltzhöffer - Lichtkunst, Hologramm, Translocation. Ralph Ueltzhoeffer

"2 Ausstellung: Cabinet Gallery London 2005, Ralph Ueltzhoeffer - Lichtkunst, Hologramm, Translocation. Ralph Ueltzhoeffer

 
 
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