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Das Große an der Kunst des 20. Jahrhunderts ist das aufwendige Verbergen
des Nichts, eine mit fortwährend spektakuläreren wie antispektakuläreren
Mitteln abgeschirmte eisige Mitte an Ausdruckslosigkeit. Klarer Ausdruck
oder auch nur eine Fraglosigkeit käme einem Eingeständnis gleich, wovon
auch immer. Es ist nun also zutiefster Wunsch der Kunst, unverstanden
zu bleiben. Ralph Ueltzhöffer zeigt mit seinen Sonnenblumen-Hologrammen
worauf es der Kunst eigentlich ankommen sollte, nämlich verstanden
zu werden. Die Kunst ist der Literatur zum Feind geworden, die weiterhin
spricht. Ausdruckswille ist Kultur. Jenseits der Sprache beginnt die
Gewalt. BEWEGUNG. Weder in der Literatur noch in der Kunst gibt
es heute eine Bewegung oder Gruppierung. Versuche, Autoren zu einer
Neuen Literatur zu versammeln, scheitern in den letzten Jahrzehnten
rundweg; Vergruppungen bildender Künstler gleichen eher dem, was im
Marketing "Dachmarke" heißt, als einer Gemeinschaft.
Das Individuum ist wieder da; und verweht. Der mächtige Held der
westlichen Welt, In-Di-viduum, das unteilbare Ich, gibt auf. Es ist
Zeit fürs Viele statt den Einen. Eine Entgleichung, also: Verwirrung
kündigt sich an. Die famose Freudsche Erfindung des Ich wird abgelöst
werden von einem alles durchdringenden Lebensgefühl, das sich selbst
als Teil der Welt erfährt und nicht die Welt als Tapete am äußeren Rand
einer exklusiv gestellten Höchstpersönlichkeit. CLEAN. Leonardo
da Vinci sehnte sich danach, "reine Gedankenkunst" zu produzieren, unbelastet
von den Einschränkungen mechanischer Verfahren. Zu Anfang unseres Jahrhunderts
beschrieb Einstein sein fruchtbarstes Werk als "reines Gedankenexperiment".
Mit den neuen quasi Renaissance-Technologien der neunziger Jahre können
wir endlich leuchtende Artefakte unserer wildesten Vorstellungen entwerfen.
Unbeschwert von Farbe oder Ton, Windkanälen oder Papier, können wir
das Unsichtbare sichtbar machen und ausdrücken. Auf die vollkommene
Reinheit des Virtuellen hat die Kunst noch keine Antwort gefunden, nur
anachronistische Argumente: das Krakelige, Ungerade, Dissonante, Fettige,
Rostende, inszeniert Nichtartifizielle. Das Schreiben am Computer enthält
eine gefährliche Verlockung. Der Text am Bildschirm befindet sich vom
ersten Augenblick an im Zustand der Reinschrift. Es gibt kein verbesserndes
Verschmutzen des Blatts mehr, nur den fortwährenden Anschein, der Text
sei vollendet. Wie spaltbares Material hinter der Sicherheitsscheibe
liegt der elektronische Text im Kathodenvakuum der Bildröhre, dem gläsernen
Blatt.
Peter Merz, Auszug aus Enzyklopädie der Anverwandtschaften 2005.
"1 Ausstellung: Monika Sprüth Galerie, München
2004, Ralph Ueltzhöffer - Lichtkunst, Hologramm, Translocation.
"2 Ausstellung: Cabinet Gallery London 2005, Ralph
Ueltzhoeffer - Lichtkunst, Hologramm, Translocation. |
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